70 Jahre Freiheitsglocke im Rathaus Schöneberg

Im Sommer 1950 war der Beschluss gefasst worden, im Turm des Schöneberger Rathauses in Berlin eine Freiheitsglocke aufzuhängen.Einer Initiative des früheren amerikanischen Militärgouverneurs in Deutschland, Lucius D. Clay, folgend, hatte der amerikanische Industriezeichner Walter D. Teague eine Nachbildung der legendären “Liberty Bell” in Philadelphia entworfen.

Nach ihrer Anfertigung bei der Firma Gillert und Johnston in Croyden (Großbritannien) reiste die Freiheitsglocke auf einem spektakulären “Kreuzzug für die Freiheit” auf einem Spezialfahrzeug durch 26 Städte durch mehrere Bundesstaaten der USA.Dabei spendeten über 16 Millionen Amerikaner für den Guss der Glocke und unterzeichneten den folgenden Freiheitsschwur:

„Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde des einzelnen Menschen. Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde.
Ich schwöre, der Aggression und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo immer sie auf Erden auftreten werden.
Ich bin stolz darauf, am Kreuzzug für die Freiheit teilgenommen zu haben. Ich bin stolz darauf, dass ich zur Herstellung der Freiheitsglocke beigetragen habe und diese Freiheitserklärung unterschrieben habe, dass mein Name nun ein ewiger Bestandteil des Freiheitsschrein in Berlin sein wird, und dass ich mich den Millionen Männern und Frauen in der ganzen Welt angeschlossen habe, denen die Sache der Freiheit heilig ist.“

Am 21. Oktober 1950 traf die Freiheitsglocke vor dem Rathaus ein und wurde anschließend außen am Turm empor gezogen.

500.000 Berliner versammelten sich am 24. Oktober vor dem Rathaus Schöneberg und in den umliegenden Strassen. In Anwesenheit des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, des Hohen Kommissars der USA in Deutschland, John J. McCloy, und des Generals Clay erklang die Freiheitsglocke zum ersten Mal.

Seit diesem Tag läutet sie jeden Tag um 12 Uhr mittags für zwei Minuten, am 1. Mai, am Heiligen Abend und in der Sylvesternacht.